IT IS: STUDIO OSSIDIANA

Tradition

Tradition, Übertragung, Verrat – wir sind froh, dass diese Worte miteinander verbunden sind. Die Tradition ist ein Fluss, kein Ursprung: Wenn man in Holland arbeitet und in Italien studiert hat, ist es vielleicht von Vorteil, eine Beziehung zur eigenen Geschichte haben. Die “Tradition” in Holland ist auch die eines Landes, das sich ständig neu erfindet, umgestaltet und umbaut, und was wir in uns tragen, ist oft ein Nachdenken darüber, dass jeder Ort sowohl seine Gegenwart als auch seine Vergangenheit in sich trägt; genauso sind Projekte immer Teil eines Kontextes, der nicht nur räumlich, sondern auch historisch und emotional ist. In diesem ständigen Spiel von Übertragung und Verrat steckt immer auch eine Idee von Zukunft. In Amsterdam Allegories zum Beispiel bietet jede schwimmende Insel neue Formen städtischer Rituale, neue Arten des Wohnens und Zusammenseins, mit Bezug auf auf Daseinsarten der Vergangenheit und Gegenwart der Stadt und ihres Territoriums: von den Kohlehügeln zu den Schornsteinen, die heute den Amsterdamer Hafen umgeben, von den Hecken der Lusthöfe – dieser Vergnügungsgärten aus dem 18. Jahrhundert, von denen die holländische Landschaft übersät ist – bis zu verlorenen Stadtarchitekturen, wie etwa dem Volksvlijt-Palast – dem Crystal Palace von Amsterdam – oder dem Obelt Bathouse.

Erfindung

Wir möchten mehr über das Erfinden, das Entstehen, den Sinn des Entdeckens, des Suchens und dem Erreichen von etwas Unerwartetem sprechen. In einem Kontext wie den Niederlanden, wo der öffentliche Raum extrem reglementiert ist und es sich so anfühlt, als würde man durch ein Handbuch für Stadtplanung spazieren, arbeiten wir mit Topoi wie dem der Insel, dem den Dünen, dem der schwimmenden Gärten. Diese “Bilder” helfen uns, surreale, experimentelle öffentliche Räume zu schaffen, die zugleich schwebend und irdisch sind; es gilt völlig unerwartete Welten zu entdecken, in denen die Menschen sich selbst als Erforscher, Seefahrer, Kartograph, Gärtner und Vogelbeobachter erkennen, in denen sie graben und sammeln und ihre Taschen mit Samen, Blumen und Muscheln füllen können.

Nachempfindung

Denken wir an Projekte, als seien es Spielplätze, öffentliche Räume, Käfige, Objekte oder zu kultivierende Räume, die es zu entdecken gilt und die neue Rituale hervorbringen können. Unsere Projekte scheinen abgeschlossen zu sein, wenn andere Lebensformen – Pflanzen, Vögel, Menschen, Mineralien – sie auf unvorhersehbare Weise in Besitz nehmen: wie Kinder und Erwachsene, die sich an den Feuern der Firedune wärmen oder auf die Dünen klettern; oder wie unser Papagei Coco, der spielend die von uns mit viel Geduld gebauten Stangen zerstört; oder wie Schwärme von Kanadagänsen, die sich im Wasser des Utomhusverket-Teichs abkühlen, während die Menschen Yoga machen.

Verantwortung

Verantwortung bedeutet für uns, über Räume und Architekturen nachzudenken, die integrativ sind und eine Begegnung zwischen Menschen und anderen Arten herstellen können, die uns ermutigen, den anderen zu beobachten, wahrzunehmen und auf ihn zuzugehen. Verantwortung bedeutet, nicht nur geschützte Arten zu verstehen, sondern auch invasive; nicht nur Arten mit einem Stammbaum – nicht nur königliche Schwäne, sondern auch Tauben -, auch die “neue Natur”, von der wir umgeben sind und die wir geschaffen haben: die Bausandhaufen oder die Kohlehügel, die Abgase aus den Schornsteinen, die Abwassermüllhalden, die Domestizierung und Schaffung von Räumen, die uns lehren, uns zu kümmern und “unsere Monster zu lieben”.